Prädikat: Historisches Ereignis

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Indersdorf – In Markt Indersdorf wurde das Glasfasernetz jetzt offiziell in Betrieb genommen.

Es ist ein historisches Ereignis: Die Indersdorfer bekommen schnelles Internet. Im Kindergarten Niederroth wurde der Glasfaseranschluss jetzt offiziell in Betrieb genommen – und die neuen Leitungen mussten gleich einen ersten Test bestehen.

Knopfdruck: Rüdiger Schmidt (KMS), Bürgermeister Franz Obesser, Berthold Fehr von der Bürgerinitiative, Hans Probst-Heigl (Firma Mühlbauer) und Uwe Krabbe (Planer). Foto: cla

Knopfdruck: Rüdiger Schmidt (KMS), Bürgermeister Franz Obesser, Berthold Fehr von der Bürgerinitiative, Hans Probst-Heigl (Firma Mühlbauer) und Uwe Krabbe (Planer). Foto: cla

Es dauerte nur eine Millisekunde: ein leichter Druck auf einen roten Knopf. Doch genau darauf haben die Indersdorfer jahrelang gewartet. Denn der auf den ersten Blick unscheinbar wirkende rote Button hat ein neues Zeitalter eingeleitet: Mit ihm wurde das Glasfasernetz offiziell in Betrieb genommen.

Nach sieben Monaten Bauzeit können die ersten Indersdorfer in Höchstgeschwindigkeit mit bis zu 100 000 kbit/s durch das Netz surfen. „Das Ereignis hat das Prädikat historisch verdient“, sagt Bürgermeister Franz Obesser.

Eigentümer des neuen Netzes ist die Gemeinde Indersdorf, Internetanbieter die Firma KMS. Sie wird sich auch um die Wartung und um die Behebung von Störungen kümmern.

Rund zehn Millionen Euro kostet das Projekt der Gemeinde. Das Geld soll über die Anschlussgebühren wieder zurückbezahlt werden. Dazu war es wichtig, dass möglichst viele Haushalte mitmachen. Dieser Wunsch hat sich erfüllt: Inzwischen haben rund 65 Prozent der Bürger einen neuen Glasfaseranschluss beantragt. Bis jetzt sind 800 Häuser mit Leerrohren ausgerüstet, bei 400 davon sind außerdem schon die Glasfaserkabel eingeblasen.

Auch bis zum Haus von Berthold Fehr reichen die Glasfaserkabel bereits. Er ist einer der Bürger, denen es zu verdanken ist, dass das Glasfaserprojekt in Indersdorf überhaupt realisiert werden konnte. „Ich bin begeistert, dass das Projekt in dem Zeitraum geklappt hat. Es ist eine große Erlösung für uns“, sagt er. Fehr stammt aus Niederroth, dort surfte er bis jetzt mit einer Geschwindigkeit von 384 kbit/s durch das Internet. Das ist langsam. Sehr langsam. „Wir waren mit dem Internet vollkommen abgenabelt von der Welt“, sagt er.

Deshalb hat er vor rund drei Jahren gemeinsam mit einigen Mitstreitern eine Bürgerinitiative für schnelleres Internet ins Leben gerufen. „Bei bestimmten Dingen will ich einfach nicht akzeptieren, dass etwas nicht geht“, sagte er. Fehr würde gerne von zu Hause aus an beruflichen Videokonferenzen teilnehmen, sein Sohn würde sich gerne Univorlesungen im Internet anschauen. Bisher war das undenkbar, ab diesem Mittwoch wird es kein Problem mehr sein. Denn dann wird Fehrs eigener Glasfaseranschluss freigeschaltet. „Als Erstes werden mir meine vier Kinder um den Hals fallen“, vermutet er.

Fehr hat sich dafür entschieden, den neuen Anschluss schon zu nutzen, obwohl sein alter Vertrag noch einige Monate weiterläuft. Für schnelles Internet zahlt er gerne doppelt. Wer das nicht möchte, kann seinen Haushalt aber auch erst freischalten lassen, wenn der alte Vertrag ausläuft, oder einen Wunschtermin für die Freischaltung auswählen. Nach und nach werden die Kabel zu allen Häusern verlegt. Wenn alles glatt läuft und auch das Wetter mitspielt, soll in rund einem Jahr jeder Glasfaser haben. Nur einen kleinen Wermutstropfen sieht Bürgermeister Franz Obesser bis dahin: „Ich komme daheim als letztes dran.“

Umso größer ist dann die Vorfreude auf das schnelle Internet. Denn den ersten Test hat die neue Glasfaserleitung schon bestanden: Einen Geschwindigkeitstest im Kindergarten. (cla)

Quelle: www.merkur.de vom 21.09.2015 mit freundlicher Genehmigung